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Deutungsversuche vor dem Raumfahrtzeitalter
Als klassischer Beweis für die Konfrontation unserer Vorfahren mit einer technisch weit überlegenen Intelligenz gilt in der Paläo-SETI-Forschung das Ergebnis der Arbeiten Josef F. Blumrichs. Dieser NASA-Ingenieur las, eher zufällig, Erich von Dänikens Buch „Erinnerungen an die Zukunft“ und nahm sich vor, dessen Aussage – die „Vision“ des Propheten Hesekiel am Fluss Chebar in Chaldäa beruhe auf realer Begegnung mit einer Art außerirdischem Fluggerät – zu wiederlegen. Statt dessen geschah genau das Gegenteil: Blumrich konnte anhand des alttestamentlichen „Buches Hesekiel“ ein in sich logisches und vernünftiges Fluggerät konzipieren und bekam sogar ein Patent für die Konstruktion eines Rades, bei dessen Entwurf die Beschreibung des Hesekiel Pate gestanden hatte.
Vorläufig gilt diese Deutung der Cherubim-Vision als Fluggerät, wie es Blumrich nach den alten Texten entwarf, als die überzeugendste und „vernünftigste“ unter allen Deutungsversuchen. Eine solche Interpretation war freilich erst möglich nach der Entwicklung unserer modernen Flug- und Raumfahrt; erst nach der Konstruktion und dem Bau eigener Fluggeräte und Raumfahrzeuge ergaben die Beschreibungen des Propheten Hesekiel einen verständlichen Sinn.
Zu welchen Deutungen und Erklärungen kamen die Denker und Bibelforscher vor dem Raumfahrt-Zeitalter? Es wurden in der Tat zahllose Spekulationen über Aussehen, Funktion und Art der Cherubim und Seraphim angestellt, die ganz einfach allein deswegen nicht allseits überzeugen konnten, weil sie „zu früh“ versucht wurden. Dabei ist nicht zu übersehen, dass einige wenige Exegeten schon „ganz nah“ an unsere moderne Deutung herankamen, es fehlte aber der Vergleich mit tatsächlich vorhandenen Vergleichsobjekten bzw. eines Voraussehen-Könnens vom Entwickeln zukünftiger möglicher Objekte.
Bereits bei dem Versuch, das Aussehen der Cherubim und Seraphim festzulegen, konnten sich weder die alten Kirchenväter, die Künstler noch die späteren Exegeten einig werden. Grob könnte man ihre Ansichten in einige wenige Hauptgruppen unterteilen:
die Cherubim / Seraphim habenTiergestalt Menschengestalt eine Gestalt, die sich aus beiden Varianten zusammensetzt. Schon hieraus kann man ersehen, wie weit sich die heutige Blumrich-Deutung von diesen Spekulationen entfernt hat: keine der drei Gruppen kommt nun mehr in Frage. Damals: der Tiergestalt-Vertreter waren wenige; zu viel sprach nach Meinung ihrer Disput-Gegner für das menschengestaltige dieser Wesen.
„Dass sie menschengestaltig gedacht waren – von den sechs Flügeln abgesehen –„, so meinte Exeget Oskar Wulff, „darüber lässt ihr Gebaren und ihr Lobgesang kaum einen Zweifel.“
Einige Ausleger wiesen darauf hin, dass das erwähnte „feurige Schwert“ beim Paradies-Wächter-Cherub eine menschliche Gestalt, zum mindesten menschliche Hände voraussetze, die es halten. Das Gegenargument anders Deutender lautete: es handele sich nicht um Hände, sondern um Tiervorderfüße!
In einem Punkt aber gab es bald Einigkeit: die Wesen besaßen Flügel und hatten vier Köpfe. So ist denn auch die älteste erhaltene Cherub-Darstellung im syrischen Evangeliar des Rabula (vor 586) die des hesekielschen Tetramorphen (Vierköpfler). Der Tetramorph wurde entweder vierflügelig dargestellt, oder sechsflügelig. Künstler wie Bibelausleger hatten ihre Schwierigkeiten damit, sich auf einen „Ur-Typ“ festzulegen; so gab es immer wieder Versuche, Cherubim und Seraphim zu identifizieren, vor allem wegen der Ähnlichkeit der Jesaja- und der Hesekiel-Vision. Die Bildtypen beeinflussten sich gegenseitig, verwechselten und vermischten munter Cherubim mit Seraphim. Der Bestand an bildernischen Darstellungen zeigt die Spuren früh eingetretener Verwirrung und reicht nicht weit genug zurück, um das Ursprüngliche darin zu zeigen. Einige Exegeten argwöhnten, die Darstellung zweier den Leib bedeckender Flügel zusätzlich zu den anderen Flügeln sei eine Vermehrung der Flügel, die durch die Symbolik bedingt sei. Andere sprachen von „bloßer Steigerung der Cherubvorstellung“ zu den sechsflügeligen Seraphim, denen einfach ein Paar Flügel mehr zugedacht wurden, und zahlreiche Künstler verzweifelten an der Aufgabe, die Schilderung der Wesen bei Jesaja und Hesekiel zu vereinigen.
Schon früh haben Exegeten und Bibelforscher versucht, den Cherubim und Seraphim mit Logik und zeitgemäßer Deutung beizukommen. Ein heute eher unfreiwillig komisch wirkender Versuch war der, diesen Wesen auf allegorischem Wege und durch Symbolik einen Sinn abzugewinnen. Ansätze zu solchen symbolischen Deutungen gab es bereits im alten Judentum. Die alten christlichen Kirchenväter machten dann aus diesen „Wesen“ Symbole für dies und jenes. Clemens (2./3.Jh.) sagte kurz und bündig: im Himmel gibt es keine derartigen zusammengesetzten, sinnlich wahrnehmbaren Wesen, ergo könne man sie nur allegorisch erkennen. Seiner Meinung nach seien sie lediglich Symbole für die geistigen Kräfte der in ihnen vorgestellten himmlischen Mächte.
Besonders die Zahlensymbolik hatte es den Kirchenvätern angetan und regte sie zu mancherlei geistigen Spitzfindigkeiten an. Die vier Gesichter sollten die Allgegenwart Gottes symbolisieren, die vier Köpfe seien Symbole für die vier höchsten Eigenschaften: Vernunft (Mensch, Kraft (Stier), Furchtbarkeit (Löwe) und Schnelligkeit (Adler). Andere Bibelausleger wiederum sahen in den vier Gesichtern / Köpfen ein Symbol für die vier Evangelisten des Neuen Testamentes.
Die symbolische Deutung dieser geheimnisvollen „Wesen“ fand bis ins 19. Jh. hinein ihre Anhänger. So behauptete der Exeget Schultz in seiner „Alttestamentlichen Theologie“: „Sie gehören zu jener großen Klasse von Wesen, mit denen seit uralter Zeit die religiöse Phantasie der Asiaten die himmlische Welt bevölkerte, und welche im Grunde der religiösen Symbolik ihren Ursprung und Charakter hat.“
So erstaunt es nicht, wenn J. Nikel 1890 aussagt: „Sie sind geflügelt, daher kann ihre Gestalt nur eine symbolische Bedeutung haben.“ Für ihn ist klar, dass die Flügel bloß Symbole sind für Schnelligkeit und für die „Bereitwilligkeit in der Ausführung der göttlichen Befehle“.
In eine ganz andere Richtung zielte die Deutung derer, die Erklärungen für mythische Überlieferungen in der Natur suchten. Cherubim und Seraphim, so behauptete der Exeget Wulff, seien beide aus derselben Naturanschauung entsprungen: die lebendige Volksphantasie habe aus der Gewitterwolke einen Cherub, und aus den Blitzen die Seraphim gemacht. „Und die vermenschlichten Seraphim haben“, so Wulff, „ihre Beziehung zum Feuer auch noch keineswegs verloren“, und damit verwies er sowohl auf die – strittige! – Namensetymologie der Seraphim als „die Brennenden“, „die Entzünder“ u.ä., sowie auch auf die mysteriöse Jesaja-Stelle mit den feurigen Kohlen in den Seraphim-Händen. J. Nikel beschrieb „eine Wetterwolke mit Blitz und Donner“ als das Gefährt Jahves, während andere Exegeten im „Flammenschwert“ des Paradies-Wächter-Cherubs den Blitz erkennen wollten.
Hesekiels phantastische „Vision“ – nichts weiter als die Umschreibung einer Gewitterwolke? Blumrich sei dank können wir das heute mit gutem Gewissen verneinen.
Am nächsten der heutigen Deutung aus präastronautischer Sicht kommen die Verfechter einer eher „praktischen“ Interpretation. Sie stellten sich die Cherubim vor als „Thronwagen“, als „Träger der Gottheit“ und – vorsichtig – als eine Art überirdisches Fluggefährt. In seinen „Theologischen Studien“ von 1871 gibt der Bibelforscher Riehm seine Ansicht kund, nach der die Cherubim offenbar Wesen sind „mittelst deren sich Gott bei seinen persönlichen Manifestationen vom Himmel her zur Erde herab, von der Erde himmelwärts und auf oder über der Erde hin und her bewegt.“ Diese Anschauung ist schon erstaunlich modern, mehr noch, würde man das Wort „Wesen“ durch „Flugobjekte“ ersetzen. Riehm konnte damals freilich noch nicht von derartigen Objekten reden, denn der erste Motorflug der Brüder Wright fand erst ca. 30 Jahre nach seinen „Theologischen Studien“ statt.
J. Nikel kommentierte diese Deutung seines Kollegen Riehm ca. 20 Jahre später folgendermaßen: „Warum soll man nicht... berechtigt sein, aus der Anwesenheit der Flügel bei den Cherubim auf einen besonderen Dienst, der in denselben seinen Ausdruck findet, zu schließen?“ Doch Riehms Deutung ist Nikel zu spekulativ; er neigt eher zur guten alten symbolischen Deutung und gibt zu bedenken, „dass zwar zur Versinnbildlichung seines überirdischen Wesens der Cherub der Flügel nicht bedurft hätte... aber ihr besonderer Verdienst in der Nähe Gottes erklärt die Anwesenheit der Flügel vollkommen.“ Außerdem, so fragte sich Nikel, wenn die Cherubim lediglich so eine Art Vehicula seien, warum hätten sie dann Gesichter, Hände und dergleichen?
Anders argumentierte der Exeget Hoffmann in seinem „Schriftbeweis“: „Sie sind für den in der Welt gegenwärtigen Gott etwas Ähnliches wie der Wagen für den darauf einherfahrenden.“ Eine verblüffend modern anmutende Deutung! Nikel jedoch fand diese Rolle der Cherubim „etwas zu passiv“.
Schwierigkeiten hatten viele Exegeten mit der Textstelle, in der es heißt, der Herr werde im Stiftszelt über der Bundeslade zwischen den Cherubim thronend mit Mose reden. Das Wort „thronend“ könne auch mit „bewohnen“ übersetzt werden, doch das sei schwer vorstellbar, da bei den Cherubim doch nicht von einem „bewohnen“ gesprochen werden kann, etwa wie vom Bewohnen eines Hauses. Exeget Schultz: „Dass diese Redensart den die Cherubim bewohnenden, d.h. unter ihren Flügeln wohnenden bezeichnen soll, das erscheint mir sprachlich noch unglaublicher, da lebendige Wesen nicht wie ein Haus bewohnt werden.“
Heute weiß jedes Kind, dass man in ein Fluggerät hineingehen kann wie in ein Haus. Das „fahren durch die Luft“ in einem Objekt war eben vor unserem ersten Flugzeug nicht leicht vorstellbar, deshalb ist in älteren Deutungen auch immer nur die Rede vom fahren /fliegen auf dem Cherub.
So behauptete Exeget Smend, „man dürfe in der Vision Hesekiels durchaus nicht etwa einen spekulativen Gedanken suchen der Art, dass die Kreatur der Träger Gottes sei.“
Stellen wie „Gott aber fuhr zum Paradies auf einem Cherubwagen“ (Apokalypse des Moses) oder „und er fuhr auf einem Cherub und flog daher, und er schwebte auf den Fittichen des Windes“ (Psalm 18,10) machen uns heute keine Schwierigkeiten mehr, die Cherubim als technisch ausgefeilte Fluggeräte zu betrachten.
Am befremdlichsten waren für die frühen Ausleger der Bibelstellen die Räder der Cherubim. In Zeiten, als selbst ein Wagenrad gewissermaßen High Tech war, gaben sich die Künstler alle Mühe, diese Räder als etwas ganz Besonderes darzustellen. Da gibt es einmal die Darstellung von Rädern, die mit kleinen Flügeln versehen sind; das ist jedoch reine Kunstsymbolik, denn Hesekiel sagte nichts von „geflügelten“ Rädern. Andere Bilder zeigen die Räder mit Flammen versehen; schon in einer Miniatur der sog. Wiener Genesis aus dem 5./6.Jh. findet sich ein Rad im Rade, von Flammen umloht. Andere Räder wiederum wurden durch die Künstler mit so etwas wie Nieten ausgestattet, dann wieder findet man Räder unter den Cherubim, Räder neben den Cherubim und völlig selbständige Räder sowie Räder unter einem „Thron“. Die Ophanim des Buches Henoch sind nichts weiter als die verselbständigten Hesekiel-Räder. Sie waren nun einmal in der „Vor-Flugzeug-Ära“ schwer vereinbar mit den Cherubim, wenn man sich diese als „lebendige Wesen“ vorstellte.
Aus diesen frühen Deutungsversuchen über Cherubim und Seraphim können wir vor allem eins lernen: Eine treffende und überzeugende Deutung eines alten Berichtes kann erst gemacht werden, wenn die Zeit dafür „reif“ ist, d.h. wenn Vergleichsobjekte vorhanden sind oder vorgestellt werden können. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Blumrich-Deutung der Hesekiel-„Visison“ als atomgetriebenes Flugvehikel für alle Zeiten das Non-Plus-Ultra sein wird. Möglicherweise belächeln unsere Nachfahren eines Tages diese Deutung ebenso wie wir die „Gewitterwolken-Deutung“ des 19. Jahrhunderts. Bislang aber ist und bleibt unsere moderne präastronautische Deutung aus Sicht des Raumfahrtzeitalters die überzeugendste und logischste.
Es gibt mit Sicherheit zahllose weitere Überlieferungen, die wir heute noch nicht zu deuten verstehen, da unsere Zeit ebenfalls noch nicht reif dafür ist. Jede neue High Tech-Erfindung oder wissenschaftliche Entdeckung (nicht nur auf technologischem Gebiet) könnte ganz neue Horizonte öffnen bzw. Blickwinkel bescheren, gerade auch für die Frühzeit-Forschung.

Literatur:
S.F. Albright: What are the Cherubim? In: The Biblical Archaeologist I, New Haven 1938
Bibel, Wuppertal 1975
J. Nikel: Die Lehre des A.T. über die Cherubim und Seraphim. Diss. Würzburg; Breslau 1980
Paul Rießler: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel. Augsburg 1928
Oskar Wulff: Cherubim, Throne und Seraphim. Diss. Leipzig; Altenburg 1894



Die Geräusche der Cherubim und Seraphim
Spätestens seit Joseph Blumrichs hervorragender Arbeit über das Flugobjekt, das der Prophet Hesekiel im 6.Jh.v.Chr. gesehen haben will, weiß jeder, der sich mit Präastronautik beschäftigt, dass „Cherubim“ und „Seraphim“ keine mysteriösen Engel sind, sondern Flugobjekte einer unverstandenen Technik.
„Keruben nennen sie die Hebräer; das sind geflügelte Wesen, deren Gestalt sich mit keinem, was Menschen je sahen, vergleichen lässt“, reümierte schon im 1.Jh.n.Chr. der jüdische Geschichtsschreiber Josephus Flavius.
An mehreren Stellen in der Bibel wird erwähnt, wie Gott Jehova auf einem Cherub daherflog, und im 1. Buch der Chronik ist eindeutig von einem „Cherubwagen“ die Rede.
Hier soll es aber nicht um das Aussehen und die Beschaffenheit dieser flugtüchtigen Objekte gehen, sondern um die von ihnen verursachten Geräusche – und was die lange Zeit der Überlieferung aus ihnen machte.
Was für Geräusche macht ein Cherub? In einem Lied, das man dem biblischen König David zuschreibt, ist die Rede von Gott Jehova, der auf einem Cherub daherfliege, dabei „donnerte“ es „vom Himmel her, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen.“ (2. Buch Samuel, Kap.22)
Ein paar hundert Jahre später hatte Prophet Hesekiel seine hautnahe Begegnung mit der „Herrlichkeit des Herrn“, zu der auch geflügelte Cherubim gehörten. Hesekiel beschrieb später die dabei gehörten Geräusche folgendermaßen: „Und wenn sie gingen, hörte ich das Rauschen ihrer Flügel wie das Rauschen großer Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, das Rauschen eines Getümmels, wie das Rauschen eines Heerlagers. Wenn sie stillstanden, ließen sie ihre Flügel sinken.“ (Hes. 1, 24) Später, als Hesekiel „vom Geist emporgehoben“ wurde, hörte er „den Schall eines starken Getöses: „’Gepriesen sei die Herrlichkeit Jehovas von ihrer Stätte her!’ Und das Rauschen der Flügel der lebendigen Wesen, welche einander berührten, und das Sausen der Räder neben ihnen, und den Schall eines starken Getöses.“ (Hes. 2, 12-13)
Hesekiel beschrieb die ihm bis dato unbekannten Fluggeräusche mit seinen eigenen Worten, aber er – bzw. der Verfasser des Buches Hesekiel – interpretierte auch schon etwas hinein, was seiner Meinung nach geklungen haben soll wie „Gepriesen sei die Herrlichkeit Jehovas...“ Was der Prophet damals wirklich hörte, können wir nicht mehr erfahren, wir können nur Vermutungen anstellen. Entweder vernahm der Prophet lediglich Start- und Fluggeräusche, in denen er so etwas wie Lobsprüche zu vernehmen glaubte – oder er hörte tatsächlich Stimmen, die sich am ehesten auf den Flugablauf betreffende Anweisungen und Bestätigungen bezogen haben werden, ausgesprochen von der Besatzung des Flugobjektes. Da diese aber wohl kaum dabei die Sprache Hesekiels benutzt haben dürften, hat dieser dann das ihm naheliegendste zu verstehen geglaubt. So sollen die „Engel“ laut dem 3. Buch Henoch ständig „Heilig, heilig, heilig...“ gesungen haben, nach dem Entstehen eines großen „Sturmwindes“ und gewaltigen Lärms – den Startgeräuschen eines Flugobjektes?
Nicht viel anders hören sich die Berichte über die Seraphim an. So lässt der Verfasser des apokryphen „Testament des Abraham“ den Adam erzählen vom „Dreimalheilig der Seraphim. Vor meinem Sündenfall hörte ich, mein Sohn, zu dieser Stunde das Getöse ihrer Flügel im Paradies; denn die Seraphim hatten die Gepflogenheit, mit den Flügeln zu schlagen, wobei sich ein harmonischer Ton in dem ihrer Verehrung geweihten Tempel ergab...“
Eine Sichtung dieser Seraphim schildert der Prophet Jesaja, der „den Herrn“ im Jahre 740/739 v.Chr. sitzen gesehen haben will „auf hohem und erhabenem Throne“: „Seraphim standen über ihm; ein jeder von ihnen hatte sechs Flügel... Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist Jehova der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit! Und es erbebten die Grundfesten der Schwellen (des Tempels) von der Stimme der Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt.“ (Jes. 6, 1-4)
Volkstümlich bekannt waren die Seraphim als „feurige fliegende Schlangen“, die „brüllen wie die Löwen“, und Luther übersetzte „seraph“ mutig mit „feuriger Drache“. In jüdischen Sagen kann man nachlesen, dass diese Seraphim – so wie unsere heutigen Flugobjekte – Kraftstoff benötigten: Alljährlich in der Sonnenwende des Nissan gebe Gott ihnen eine neue Kraft ein. Ihr Heimatstandort sei auf Arawot, dem siebten und höchsten Himmel.
Was hat man nun in späteren Zeiten alles aus dem „Dreimalheilig“ der Seraphim und dem „Gepriesen sei...“ der Cherubim gemacht! Als „Hymnus thriumphalis“ oder „Siegeshymnus“ ist diese –eventuell total missverstandene? – Textpassage berühmt geworden. Jeder Katholik kennt das Epinikion, den Engelslobgesang. In einem Bericht über eine Liturgie des 10. Jahrhunderts heißt es beispielsweise: an einer Stelle dieses Ritus „umbrause“ den Priester der Siegeshymnus der Cherubim und Seraphim, die singen, rufen und schreien, und der Priester „fühlt den Flügelschlag der himmlischen Heerscharen, wenn die Diakone mit den Flabellen fächern.“ Solche Flabelle – große Wedel aus Pfauenfedern, feinem Leder oder aus Leinwand – wurden schon in der frühchristlichen griechischen Messe von den Diakonen getragen, und noch heute werden bei feierlichen Prozessionen in Rom dem Papst solche Fächer vorausgetragen!
Nun, Flügelgeräusche könnten wir heute viel effektiver – und den vermutlichen Ursprungsgeräuschen nahekommender? – darstellen. Man stelle sich vor, die heutigen Diakone würden die gewedelten Flabelle durch ferngesteuerte Hubschrauber-Modelle ersetzen – wie viel echter würde dann der Priester vom Flügelrauschen der himmlischen Cherubim und Seraphim „umbraust“ sein!?
Auf die oben zitierte Jesaja-Vision geht z.B. der Text des Gebetes der Markus-Liturgie der alexandrinischen Christen zurück, in der es heißt: „Um dich stehen die zwei ehrwürdigsten Wesen, die vieläugigen Cherubim und die sechsflügeligen Seraphim, die mit zwei Flügeln ihr Angesicht verhüllen und mit zweien die Füße und mit zweien fliegen. Mit unermüdlichem Munde und mit nie schweigenden Lobpreisungen Gottes ruft einer dem anderen den dreimal heiligen Siegeshymnus zu, indem sie zu deiner großen Herrlichkeit singen, rufen, verherrlichen, schreien und sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen....“
Dieses „singen, rufen, verherrlichen, schreien und sprechen“ hört sich in der Mozarabischen Liturgie auf lateinisch so an: „perenni jubilatione decentant adorant magnificant...“, und die Kirchenhistoriker schwärmen von einem „Ausdrucksreichtum“ (!), von dem sie überzeugt sind, dass er nicht späteres Entwicklungsprodukt der Liturgie sei, sondern diesem, wie sie es nennen „merkwürdigen Phänomen“ begegne man schon in den Anfängen des Christentums.
Aus vermutlichen Startbefehlen für ein Flugobjekt machte die Zeit ein „schreien und sagen“ (in der Elberfelder Bibel dezent als „rufen und sprechen“ übersetzt). Religionsforscher aller Zeiten zerbrachen sich ihre Köpfe über diese „Rufe“; einige kamen zu der Ansicht, es handele sich dabei um „kein natürliches Schreien und Sagen“, sondern um einen „mystischen Lobpreis“, um ein „singen, rufen und verherrlichen“ zugleich.
Es gab auch Versuche, diese Cherubim- und Seraphim-Stimmen (oder –Geräusche) zu charakterisieren. Nach der Jakobus-Liturgie sollen sie mit „heller Stimme“ gesungen haben. Der Hl. Ephraem war der Meinung, es sei so etwas wie „Harfenstimmen“ gewesen, während im slawischen Henochbuch von „sanften Stimmen“ die Rede ist. Aus dem „Schreien der Seraphim“ wurde ein „ewiger Hymnus“, bekannt als „Sanktus“, als „Heilig-Ruf“, der im Kult der Kirche fest integriert ist und als „Hymnus der Engel“ dargestellt wird und irgendwie vorgestellt wurde als „Lobpreis der Geisterwelt“.
Diese Cherubim- und Seraphim-Geräusche haben bis in das heutige „Vater unser“-Gebet überdauert, wo es heißt, dass „der Name Gottes“ auf Erden „geheiligt“ werden möge, wie er im Himmel – von den Cherubim und Seraphim – schon „geheiligt“ werde.
Man stellte sich schon früh dieses „schreien und rufen“ als Teil einer im Himmel ausgeführten Engels-Liturgie vor und unterschied krass zwischen dem nachahmenden Lobgesang der Kirchengänger und dem „Ruf der Seraphim“. Kirchenvater Origenes behauptete denn auch: „Den Menschen kommt das Singen von Psalmen zu, das Singen von Hymnen aber steht den Engeln an...“ (Als Engel bezeichnete man im nachhinein ja auch die Cherubim und Seraphim).
In den 30er Jahren schrieb Eric Peterson in seinem „Buch von den Engeln“: „Das Volk singt mit natürlicher Stimme... und daran wird selbstverständlich auch nichts geändert, wenn etwa ein geübter Singchor mit seinem polychronen Kunstgesang die Stelle des Volkes vertritt.“ Recht hat er! Den echten damaligen Geräuschen der Flugobjekte dürfte man so oder so wohl kaum mit menschlichen Stimmen nahe kommen!
Auch in der jüdischen Gebetsliturgie hat sich dieser „Dreimalheilig“-Ruf eingebürgert, bekannt als Qeduscha oder auch Trishagion, wobei man geschickt Hesekiel mit Jesaja kombinierte. Im christlichen Kult galt zeitweise der „Sanctus“-Ruf als ein vom Heiligen Geist gewirkter Gesang, so z.B. bei Kirchenvater Cyrill. Ohne eine Ahnung von den einstmaligen wirklichen Geräuschen zu haben (wie denn auch), sprach man von „mystischer Bedeutung“ des Sanctus oder vornehm von der „Hosianna-Formel“. Der Hl. Basilius versuchte mit beredten Worten den Gegensatz zwischen dem „Lob der Engel“ und dem gesungenen „Menschenlob“ zum Ausdruck zu bringen. Auch gab es die Meinung, das „Schreien“ der Seraphim sei vielleicht ein symbolischer Ausdruck für einen „alten Kultschrei“ gewesen! Im christlichen Abendland wurde der Sanctus-Ruf der Kirchgänger – gänzlich unromantisch – als Defekt gegenüber dem „reinen Gesang der Engel“ empfunden. Kirchenvater Gregor versuchte sich in seiner „Moralia“ an der Gegenüberstellung der unvollkommenen jubilatio des Menschen mit dem „Lob“ der Engel. Es wurde behauptet: „Die Engel treten in ihrem Gesang gleichsam ekstatisch aus sich heraus“, oder vom „Gotteslob nach Art der reinen Geister“ gefachsimpelt.
In Kreisen der Gnostiker und Mystiker wurde ebenfalls über die Cherubim und Seraphim philosophiert. Was dabei herauskam, hat Eric Peterson in seinem schon erwähnten „Buch von den Engeln“ so zusammengefasst: Der Seraphim „eigentümliches Wesen wird nicht von daher fundiert, dass sie stehen, sondern von daher, dass sie sich bewegen, dass sie mit den Flügeln schlagen, die Jesaha zuerst mit unerhörter Kraft der Anschauung beschrieben hat“, (darüber ließe sich allerdings heute streiten!), „und dass nun diesem Flügelschlag und mit den Flügeln die Füße bedecken, so bedeutsam in dem Ausdrucksreichtum seiner Symbolik, eine bestimmte Form des Verströmens im Wort, im Ruf, im Gesang des Heilig, heilig, heilig korrespondiert. Mit anderen Worten: in diesem Verströmen und Ausströmen in Wort und Gesang, in diesem Phänomen fundiert sich das eigentliche Wesen dieser Engel. Es geht nicht darum... dem Herrgott etwas vorzusingen... In Wahrheit geht es hier um etwas ganz anderes.“ Wie wahr! Denn „Hier handelt es sich nicht um Engel, die primär in einer ganz abstrakten Weise ‚Engel’ überhaupt wären, und die dann noch singen, sondern hier handelt es sich um Engel, die eben darin ihr Engel-Sein haben, als sie in der vorher geschilderten Weise im Lobpreis des ‚Heilig, heilig, heilig’ verströmen. Dieser Ruf konstituiert erst ihr eigentliches Wesen, in diesem sind sie das, was sie sind. Cherubim und Seraphim, die ihr Sein in diesem ‚Verströmen im Lobpreis’ und dieser ‚partiellen Bewegung ihrer Flügel’ haben.“
Welche Geräusche mögen wohl ursprünglich diesen Wust an Deutungsversuchen verursacht haben?
Und was werden unsere Nachfahren aus den Geräuschen unserer Flugobjekte und unserem Raketen-Countdown machen???

Literatur:
Bibel. Elberfelder Übersetzung. Wuppertal 1975
K. Burdach: Der Gral. Stuttgart 1974
M. Dibelius: Die Lade Jahves. Göttingen 1906
M. bin Gorion: Die Sagen der Juden. Frankfurt a.M. 1962
M. Godwin: Engel. Frankfurt a.M. 1992
T. Laine: Metatron ergänzt Ezechiel. In: E.v.Däniken: Neue kosmische Spuren. München 1992
E. Peterson: Das Buch von den Engeln. Leipzig 1934
P. Rießler: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel. Augsburg 1928