Thomas Reißer
Die Damenstiftskirche Obermünster
in Regensburg
Ihre baugeschichtliche Entwicklung bis zum Beginn der Neuzeit
München 1996
Die Frühgeschichte des Damenstiftes Obermünster in Regensburg ist zum großen Teil bis heute unerforscht. Einige Historiker gehen von einer Gründung im 8. Jahrhundert durch das benachbarte Benediktinerkloster St. Emmeram aus. Man sah in dem Stift die weibliche Entsprechung des nahen Männerklosters. Aber auch die These einer herzoglichen Gründung muß diskutiert werden und kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Hörger hält in diesem Zusammenhang eine Übernahme des Klosters durch die Karolinger nach der Absetzung Tassilos III. im Jahre 788 für wahrscheinlich.
Der besondere Unterschied des Stiftes zu Niedermünster und St. Emmeram besteht vor allem in dem Fehlen eines Heiligengrabes, eine Tatsache die später noch eingehender behandelt werden muß, da sie unter Umständen für die Besonderheiten der baulichen Struktur der Obermünsterkirche verantwortlich gemacht werden kann. Klaus Schwarz sieht für Obermünster aus eben diesem Grund keinen Anlaß für eine dem Niedermünster vergleichbare frühe Entstehungszeit. Eine Weiterführung der 1957 im Westteil der Kirche veranstalteten, bis heute unpublizierten Grabung, besonders im Bereich des Mittelschiffes und des Übergangsbereiches zum Westbau, könnte wertvolle Aufschlüsse über mögliche Vorgängerbauten geben.
Schon Janner war der Meinung, daß zur Zeit des Tausches auf dem Klosterareal zumindest eine Kapelle vorhanden gewesen sein muß, an der ein Priester für die religiösen Bedürfnisse der Frauen Sorge trug. Die Ausgräber stießen 1957 in einer Grube nahe der barocken Westapsis in 80cm Tiefe unter dem heutigen Bodenniveau auf einen Mauerzug, den sie ins 8. oder 9. Jahrhundert datierten und als ehemalige Westwand des Vorgängerbaues deuteten. Ob hier wirklich der Vorgängerbau lokalisiert werden konnte, wird in einem späteren Kapitel diskutiert werden.
Autor: Thomas Reißer
Quelle: » http://home.mnet-online.de/visualisierung/seiten/Forsch/Ober/node2.html
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