Unter den bisher ergrabenen vorromanischen Kirchen im Bistum Regensburg herrschte im 7. und 8. Jahrhundert der Saalbau mit eingezogenem Rechteckschor vor (Beispiele für das 7./8. Jh.: Staubing, Barbing-Kreuzhof, Bad Gögging, Erhardkirche und Niedermünster I in Regensburg). Mit den beiden Monumentalbauten der Zeit Karls des Großen, nämlich dem Virgilsdom in Salzburg (vor 774) und der St. Emmeramskirche unter Bischof Sintpert (768-791) wird eine neue Richtung im Sakralbau eingeschlagen. Die beiden Kirchen mit ihren gewaltigen Ausmaßen müssen für die Zeitgenossen von unvorstellbarer Größe gewesen sein, in räumlicher wie in bautechnischer Hinsicht. Die basilikale Form bleibt in den nächsten Jahrhunderten hauptsächlich Kirchen besonderen Ranges vorbehalten.
Bei den Verputzarbeiten, die in den 1920er Jahren an der Obermünsterkirche vorgenommen wurden, traten am südlichen Seitenschiff auf 16m verteilt die Reste von vier alten Bruchsteinbögen zutage. Das Aufmaß von Schmetzer ergab eine Achsenweite der mutmaßlichen Fensterstellungen von 3,20m, während sie am Heinrichsbau 4,60m beträgt. Geht man nach Schmetzer von zehn Achsen aus, so wurden die dritte, fünfte, sechste und achte aufgedeckt. Abbildung 1 - Diese Bögen und damit wohl große Teile der südlichen Seitenschiffswand gehören offensichtlich einem Vorgängerbau der Heinrichskirche an, da sie weder zu den Achsweiten der nördlichen, noch der südlichen Langhausarkaden passen. Abbildung 2 - Da zu diesem Befund keinerlei Fotos, sondern lediglich einige Rekonstruktionsskizzen Schmetzers existieren, kann weder das Alter der Bögen bestimmt, noch das genaue Ausmaß der freigelegten Befunde dokumentiert werden. Schmetzer begründete seine Annahme, hier die Überreste der Hemmakirche vor sich zu haben, mit vergleichbar engen Anordnungen von Achsen in einigen Bauten des 9. Jahrhunderts: 2m Achsweite in der Einhardsbasilika in Steinbach/Odenwald, 2,30m Achsweite in der Alten Kapelle in Regensburg, 3,70m im Heinrichsbau der Alten Kapelle und schließlich 4,60m im Heinrichsbau des Obermünsters.
Hoch in der Südwand des westlichen Querhauses hat Schmetzer einen weiteren Bruchsteinbogen entdeckt, der offenbar ebenso wie die erwähnten Bögen am südlichen Seitenschiff beschaffen war. Aus dieser Tatsache weitreichende Schlüsse zu ziehen ist nicht möglich, da wiederum weder Aufmaß noch Fotographien vorliegen.
Museum der Stadt Regensburg: Adolph Schmetzer, Skizze der möglichen Achsweiten des Vorgängerbaus mit Eintrag der Bogenfunde
Museum der Stadt Regensburg: Skizze nach Adolph Schmetzer, Skizze der Achsweiten im Norden und Süden im Vergleich mit der mutmaßlichen Achsweite des Vorgängerbaus
Autor: Thomas Reißer
Quelle: http://home.mnet-online.de/visualisierung/seiten/Forsch/Ober/
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