Sankt Emmeram ist ein um 739 gegründetes Kloster in Regensburg. Es entstand am Grab des als Märtyrer verehrten fränkischen Wanderbischofs Emmeram. Von 739 bis 975 waren die Äbte von St. Emmeram gleichzeitig Bischöfe. 1295 wurden dem Kloster von König Adolf von Nassau die Regalien verliehen, wodurch es Reichsunmittelbarkeit erhielt. Das Emmeramer Skriptorium wurde ein mittelalterliches Zentrum der Wissenschaft. Nach einem teilweisen Verlust seiner Bedeutung im 16. Jahrhundert erlebte das Kloster im 17. und 18. Jahrhundert erneut einen Aufschwung unter den Äbten Frobenius Forster, Cölestin Steiglehner, Roman Zirngibl und Placidus Heinrich. 1731 wurden die Äbte in den Reichsfürstenstand erhoben. Von 1731 bis 1733 erfolgte die prachtvolle Neuausstattung der schon mehrfach ausgebrannten und danach immer wieder aufgebauten Klosterkirche durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam.
Sankt Emmeram fiel 1803 mit der Reichsstadt und dem Hochstift Regensburg an das neu gegründete Fürstentum Regensburg des früheren Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg. Seit dem Pariser Vertrag 1810 gehört Sankt Emmeram mit Regensburg zu Bayern. Seine Kunstschätze und wertvollen Bücher gelangten zu einem großen Teil nach München. 1812 wurden nach der Auflösung des Klosters die Klostergebäude an den Fürsten von Thurn und Taxis übergeben, der St. Emmeram zum Stammschloss Thurn und Taxis umbauen ließ. Die Abteikirche wurde zur Pfarrkirche. Am 18.2.1964 erhielt sie den Titel einer päpstlichen Basilika minor.
Im Sankt Emmeram wurden beigestetzt: der heilige Emmeram, der heilige Wolfgang, der selige Abt Ramwold, die selige Königin Hemma Ehefrau von Ludwig dem Deutschen, die selige Klausnerin Aurelia, die seligen Bischöfe Wolflek, Gaubald und Tuto, der ostfränkische König und römische Kaiser Arnulf von Kärnten und sein Sohn König Ludwig das Kind, der Bayerischer Herzog Arnulf der Böse sowie der bayerische Geschichtsschreiber Johannes Aventinus.
Äbte von St. Emmeram
| Apollonius 697-710 |
| Sandratus 710-735 |
| Alabold 735-752 |
| Babo I. 752-778 |
| Sigismund 778-796 |
| Richbald 796-822 |
| Siegfried 822-830 |
| Mit Augsburg vereint 830-975 |
| Rodold 889 |
| Ramoald 975-1001 |
| Wolfram 1001-1006 |
| Richolf 1006-1028 |
| Hartwig 1028-1030 |
| Burkhard 1030-1037 |
| Ulrich I. 1037-1040 |
| Erkenbert 1040-1044 |
| Beringer I. 1044-1048 |
| Reinhard I. 1049-1059 |
| Eberhard I. 1059-1070, +1091 |
| Ruprecht 1070-1094 |
| Babo II. 1094-1106 |
| Reinhard II. 1106-1110 |
| Theoderich 1110-1129 |
| Engelfried 1129-1141 |
| Babo III. 1141-1143 |
| Berthold I. 1143-1149 |
| Albert I. 1149-1177 |
| Beringer II. 1177-1201 |
| Eberhard II. 1201-1217 |
| Ulrich II. 1217-1220 |
| Berthold II. 1220-1235 |
| Wulfing 1235-1247 |
| Ulrich III. 1247-1263 |
| Friedrich I. von Teurn 1263-1271 |
| Ulrich IV. von Brün 1271 |
| Haimo 1271-1275 |
| Wolfgang I. 1275-1281 |
| Werner 1281-1292 |
| Karl 1292-1305 |
| Heinrich von Wintzer 1305-1312 |
| Balduin 1312-1324 |
| Albert II. von Schmidmühlen 1324-1358 |
| Altus Tannsteiner 1358-1385 |
| Friedrich II. von Weydenberg 1385-1395 |
| Johann I. Hauner 1395-1402 |
| Ulrich V. Pettendorfer 1402-1423 |
| Wolfhard Strauß 1423-1454 |
| Hartung Pfersfelder 1454-1458 |
| Konrad Pebenhauser 1458-1465 |
| Michael Teyer 1465-1471 |
| Johann II. Tegenbeck 1471-1493 |
| Erasmus I. Münzer 1493-1517 |
| Ambrosius I. Münzer 1517-1535 |
| Leonhard Pfennigmann 1535-1540 |
| Erasmus II. Nittenauer 1540-1561 |
| Blasius Baumgartner 1561-1575 |
| Ambrosius II. Meierhofer 1575-1581 |
| Hieronymus I. Weiß 1581-1609 |
| Hieronymus II. Feuri 1609-1623 |
| Johann III. Nablatz 1623-1639 |
| Placidus Judmann 1639-1655 |
| Cölestin I. Vogel 1655-1691 |
| Ognaz von Trauner 1691-1694 |
| Johann Baptist I. Hemm 1694-1719 |
| Wilfgang II. Mohr 1719-1725 |
| Anselm Godin de Tampezzo 1725-1742 |
| Johann Baptist II. Kraus 1742-1762 |
| Froben Forster 1762-1791 |
| Cölestin II. Steiglehner 1791-1803 |
Orden: Benediktiner
Diözese: Regensburg
Pfarreien: Regensburg
Patrozinium: urspr. St. Georg; St. Emmeram, St. Dionysius, St. Wolfgang
Weiternutzung: 1802 wurde der Besitz dem Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg als Entschädigung zugewiesen. 1810 wurde die Säkularisation durchgeführt und 1812 die Klostergebäude an den Fürsten von Thurn und Taxis übergeben.
St. Emmeram - das klösterliche Zentrum in Regensburg
Kein anderes Kloster in Regensburg errang jemals die Bedeutung der Benediktinerabtei St. Emmeram. Sie bildete über ein Jahrtausend lang den klösterlichen, geistigen und kulturellen Mittelpunkt der Stadt und des Bistums.
Das Kloster entstand etwa zur Zeit der Gründung des Bistums Regensburg durch Bonifatius im Jahr 739 am Grab des als Märtyrer verehrten fränkischen Wanderbischofs Emmeram. Er war im späten 7. Jahrhundert von einem Mitglied der bayerischen Herzogsfamilie ermordet worden. Sein Grab erhielt Emmeram auf einem in römische Zeit zurückgehenden Friedhof am Südrand der Stadt. Dem Emmeramskult verdankt das Kloster seinen raschen Aufstieg im Früh- und Hochmittelalter.
Zunächst scheint das Grab des hl. Emmeram von einer Klerikergemeinschaft betreut worden zu sein. Bei der Erhebung der Gebeine um 740 bestand hier bereits ein Kloster, dessen Abt zugleich Bischof von Regensburg war. Es liegt nahe, dieses Kloster in Zusammenhang mit der Bistumsgründung 739 durch Bonifatius zu bringen, denn in der damaligen angelsächsischen Kirchenorganisation hatte der Bischof seinen Sitz stets bei einem Kloster.
Unter Abt Simpert wurde um 780/90 die erste Klosterkirche gebaut, von der die Ringkrypta um das Grab des Heiligen erhalten ist. Eine 770 erwähnte Friedhofskirche St. Georg als Grablege Emmerams wird von jeher im südlichen Nebenchor dieser Klosterkirche vermutet.
St. Emmeram war für rund 100 Jahre die erste Residenz der Regensburger Bischöfe, die hier bis 1125 auch beigesetzt wurden. Erst Bischof Wolfgang trennte 975 die Ämter des Bischofs und des Abtes. Er setzte als ersten Abt neuer Art seinen Freund Ramwold ein, der aus dem Trierer Kloster St. Maximin kam und St. Emmeram der Gorzer Klosterreform unterzog. Aus seiner Zeit blieben die östlich vor der Kirche gelegene Ramwold-Krypta und die Außenmauern des Chors mit den Innenpfeilern (St. Emmeram II) erhalten.
Kaiser Arnulf von Kärnten erbaute in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem heutigen Emmeramsplatz und mit der Kirche baulich verbunden um 888/890 seine Pfalz.
Emmeram, der schon vorher als Patron des Bistums und Apostel Bayerns gegolten hatte, wurde nach der lokalen Tradition nun zum Reichspatron erklärt. Das Kloster, das schon in agilolfingischer Zeit ein geistlicher und monastischer Mittelpunkt des Landes gewesen war, wurde enger an das Reich gebunden; in der Pfalz bei St. Emmeram hielten sich bis zum Ende der Stauferzeit die Kaiser bei ihren Besuchen in Regensburg gerne auf. Schon früh hatte sich ein bedeutendes Skriptorium gebildet, aus dem sich teilweise das Personal der königlichen Hofkanzlei rekrutierte. Die Bindung an das Reich zeigt sich in dem Umstand, dass hier zumindest einige Mitglieder der karolingischen Königshauses beigesetzt wurden.
Die größte Blüte seiner Entwicklung erreichte das Kloster zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert auf den Gebieten der Theologie, Philosophie, Mathematik, Astronomie und Kunst. Schon früh hatte man sich mit Astronomie und Zeitmessung beschäftigt, die komputistischen Handschriften dieser Zeit aus St. Emmeram gehören zu den wichtigsten frühen Beispielen. Das Emmeramer Skriptorium erlangte einen letzten Höhepunkt im frühen 13. Jahrhundert, nicht zuletzt durch die befruchtende Konkurrenz des jungen Klosters Prüfening. Die bedeutende Klosterbibliothek verwahrte als größten Schatz den Codex Aureus (870), eines der prachtvollsten Bücher des Mittelalters (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 14000), ein Werk der Hofschule Kaiser Karls des Kahlen.
Als eigene großartige Schöpfungen der Buchkünstler von St. Emmeram entstanden unter anderen zur Zeit Kaiser Heinrichs II. sein später an Bamberg gestiftetes Sakramentarbuch (Bayerische Staatsbibliothek München clm 4456) und der für das Stift Niedermünster in Regensburg gefertige Uta-Codex (Bayerische Staatsbibliothek München clm 13601).
Abt Reginward ließ 1049/60 die Klosterkirche in ihrer jetzigen Größe mit einem gewaltigen Westquerhaus mit Krypta - wohl nach dem Vorbild des Speyerer Doms - erbauen (St. Emmeram III). Höhepunkt dieser Phase war die Heiligsprechung des Bischofs Wolfgang 1052 durch Papst Leo IX. Zu jener Zeit erreichten die Auseinandersetzungen der Abtei mit den Regensburger Bischöfen einen Höhepunkt. Sie wollte man durch Fälschungen und Verunechtungen von Urkunden für sich entscheiden, mit dem Ziel, sich aus der bischöflichen Jurisdiktion zu lösen. Dies gelang jedoch erst 1326 durch ein Privileg von Papst Johannes XXII. Bereits 1295 war St. Emmeram durch König Adolf von Nassau zur reichsfreien Abtei erhoben worden.
Zwei Brände bedingten 1062-1068 und nach 1166 umfangreiche Um- und Neubauten der Klosterkirche (St. Emmeram IV und V). Sie blieb dennoch einer der bedeutendsten vorromanischen Kirchenbauten Deutschlands.
Nach einem vorübergehenden Rückgang seiner Bedeutung im 16. Jahrhundert erlebte das Kloster im 17. und 18. Jahrhundert einen erneuten Aufschwung. Er gipfelte 1731 in der Erhebung der Äbte in den Reichsfürstenstand. Äußeres Zeichen dieser Standeserhöhung ist die 1731-1733 erfolgte prachtvolle Neuausstattung der 1642 erneut ausgebrannten und danach restaurierten Klosterkirche (St. Emmeram VI) durch die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam (St. Emmeram VII).
Nicht so sehr die Reichspolitik verlieh der Abtei ihren letzten Glanz, sondern das erneute Aufblühen der wissenschaftlichen Forschung um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Bald wurde St. Emmeram zu einem der führenden süddeutschen Zentren der Wissenschaft, für das Namen wie die der Äbte Frobenius Forster, Cölestin Steiglehner (genannt Vater der Meteorologie), Roman Zirngibl und Placidus Heinrich stehen.
Im Zuge der allgemeinen Säkularisation und Mediatisierung im Reich wurde St. Emmeram im Jahr 1802 dem Kurerzkanzler und Erzbischof von Regensburg, Karl Theodor von Dalberg unterstellt. Er ließ den Konvent jedoch bestehen. Die Klostergebäude kamen bereits 1803 in den Besitz Dalbergs und gingen 1808 an das fürstliche Haus Thurn und Taxis. Nach dem Übergang Regensburgs an Bayern erfolgte 1810 die Auflösung der altehrwürdigen Abtei, deren Kunstschätze und wertvolle Bücher zu einem großen Teil nach München kamen. 1812 erwarb die Familie Thurn und Taxis offiziell das säkularisierte Klosterareal. Es richtete hier seinen Stammsitz ein und das veränderte die Abtei im Lauf des 19. Jahrhunderts entsprechend zu einem repräsentativen Schloss mit einer umfangreichen Parkanlage. Die ehemalige Klosterkirche wurde in der Nachfolge der bisherigen Pfarrkirche des Klosters (St. Rupert) zu einer Stadtpfarrkirche.
Autor: Wikepedia
Quelle: » http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Sankt_Emmeram
Text 2
Autor: Peter Morsbach
Quelle: » http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/kloster/index_extern.shtml