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Die folgende Ausarbeitung stellt die Freie Reichsstadt Regensburg in ihrer mittelalterlichen Ausprägung vor, eine Zeit in welcher Aeneas Silvius Piccolomim sie bereiste. Es werden dabei speziell auch einzelne Stadtbezirke und ihre Bedeutung im städtebaulichen Kontext beleuchtet.

Die deutsche Stadt im späten Mittelalter ist durch die Ausbildung des Bürgertums, der Handwerkszünfte und Kaufmannsgenossenschaften gekennzeichnet. Die Loslösung von Kirche und Landesherrn brachte vermehrte Handelsaktivitäten mit sich. Diese große wirtschaftliche Bedeutung und die gesellschaftliche Freiheit, welche der freie Stadtbürger genoss - die Unfreien auf dem Land jedoch nicht - waren die Ursache einer Bevölkerungsexplosion in den Städten. In vielen Städten wurden die Stadtmauern mehrmals ausgeweitet.

Die mittelalterliche Stadt unterscheidet sich in ihrem baugeschichtlichen Fundament von der Stadt der Griechen und Römer. Sie zeichnet sich besonders durch die um die Hauptzentren der Stadt entstandenen stolzen Bürgerhäuser aus. Das Zentrum bildete nach wie vor die Kirche, jedoch oft als ein vom Bürgertum mitfinanziertes Machtsymbol. Die Stadtstruktur ist ein sichtbares Ergebnis der inneren Ordnung der Stadtgemeinschaft, die durch echte Leistungsunterschiede geprägt war. Über Wien schreibt Piccolomini: "'Wie ein Palast liegt die eigentliche Stadt inmitten ihrer Vorstädte. Ungeheuer ist der Zusammenfluss der Kaufleute, und so wird hier massenhaft viel Geld verdient". Dieser Ausspruch trifft bezeichnenderweise auf viele deutsche Städte zu. Speziell in Regensburg, ist das Stadtbild Abbild der Finanzkraft der Bürger.

Einen besonderen Eindruck muss manches Element deutscher Städte schon hinterlassen haben. So wählt z.B. Piccolomini für den Dom "semer Idealstadt"' Pienza das Schema der deutschen Hallenkirchen - allerdings auf einer überaus italienischen Renaissance-Piazza. Die italienische Kunst bewegt sich im späten Quattrocento schon auf einem ganz anderen Niveau.

Heute erliegen wir oft dem schmeichelnden Idealbild der mittelalterlichen Stadt. Doch ist das Leben in diesen Städten nicht einfach gewesen. Auch der Mythos der organisch gewachsenen Stadt mit Postkarten-Gässchen muss allerspätestens nach der Untersuchung von Klaus Humpert und Martin Schenk ad acta gelegt werden [siehe Humpert. Schenk, 2001]. Doch die politische Institution Stadt, das "urbane"' in semer ursprünglichsten Form, hat von liier aus seinen Siegeszug angetreten.



Regensburg - Geographie

"Die ummauerte, türmereiche Stadt und das flache Land, agrarisch bestellt und nur von Feldwegen oder Handelsstraßen durchzogen, hart aufeinander stoßend und sich gegenseitig ausschließend" [Stadtrat Regensburg (Hg.). 1924] liegt in einer sehr privilegierten Situation am nördlichsten Punkt der Donau, in dessen Umgebung gleich drei Flusse einmünden: Laaber. Naab und Regen - ein prädestinierter Sammelpunkt von Norden her an die Verkehrsader der Donau.

"Regensburg liegt gar schön, die Gegend musste eine Stadt hervorlocken", meinte Goethe, als er in der Stadt weilte.

Tafel an der Porta Preatoria



Die Donausiedlung - Antike Wurzeln


Auch Regensburg geht auf ein römisches Grenzlager zurück. Als Castra Regina {"Königliche Festung") wurde es 179 n. Chr. als Bollwerk gegen Einfälle germanischer Stämme gegründet. Neben dem Legionslager wurde auch die Vicus canabarum, die Zivilniederlassung eingerichtet. Um 300 umgab man das Lager mit einer mächtigen Mauer aus Hausteinen. Als später die Garnisonsstärke stark verkleinert wurde, legte man in der Nordostecke ein Innenkastell an, so dass die Zivilsiedlung in den nun leeren Rest des Lagers im Schutze der 7m hohen Mauer verlegt werden konnte.

Nicht unerhebliche Reste der römischen Anlage haben sich bis heute erhalten. Doch noch augenscheinlicher lässt sich ihre Struktur im Stadtgrundriss erkennen. Bekannt sind dadurch der Verlauf der Mauer und des cardo. Ob in Regensburg - wie in anderen großen Städten auch - antike Bauwerke im Mittelalter noch genutzt werden, ist nicht nachgewiesen. Allerdings wurden im frühen Mittelalter nachweislich größere Teile der römischen Bebauung abgetragen, um Kirchenbauten Platz zu machen. Reste der Stadttore hingegen sind bis heute im Stadtbild präsent. Durch die Tatsache, dass auch die Form des Lagers im Stadtgrundriss erhalten blieb, kann man bei der späteren mittelalterlichen Bebauung von einer ungefähren Verwendung römischer Grundmuster ausgehen, beispielsweise bei der Lage der Häuser oder der Bemessung der Grundstücke.



Geschichtliche Entwicklung

Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches wurde die eroberte Festung von bayerischen Herzögen als Residenz auserkoren. Nach deren Sturz durch Karl den Großen entwickelte sich die Stadt zu einem Mittelpunkt des ostfränkischen Reiches. Ab dem 10. Jahrhundert erstarkte neben dem Hof der Könige und Herzöge in Regensburg ein immer reicher werdendes Bürgertum, dessen Spitze sich bald zum Potiiziat entwickelte. In den folgenden Jahrhunderten entfaltete sich Regensburg und erlebte seine größte Blütezeit. Durch seine verkehrsgünstige Lage entwickelte es sich zum Umschlagplatz für den aufkommenden europäischen Fernhandel bis nach Paris und Kiew. Diese bedeutende Position sicherte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und demzufolge großen Reichtum. Zudem erlangte Regensburg 1245 die Reichsfreiheit und damit das Privileg einen Bürgermeister und Rat einzusetzen". Viele der aus dieser Zeit erhaltenen Bauten künden vom Reichtum der Stadt. Die Patrizier errichteten zahlreiche Stadtpaläste mit Wohntürmen und Festsälen, die sowohl als Handelszentrale dienten als auch das Bedürfnis nach Repräsentation stillten. Der herrschende Wohlstand führte zu einer kulturellen Blüte, aufgrund derer um 1250 mit dem Bau des Doms begonnen wurde. Noch heute beherrscht die Architektur der Romanik und Gotik das Stadtbild. Als eines der bedeutendsten Bauwerke gilt die Donaubrücke, die von 1135 bis 1146 errichtet wurde. Ihre Konstruktion gilt als Bauwunder.

Mit Beginn des 14. Jahrhunderts begann Regensburgs wirtschaftliche und politische Bedeutung zu sinken. Die Verschiebung der Handelsrouten, das Aufkommen neuer Handelszentren sowie Auseinandersetzungen unter den Patrizierfamilien schwächten die Stadt. Sie erholte sich erst wieder, als Regensburg 1663 zum Sitz des Immerwährenden Reichstags"' erklärt wurde.

Frühe Stadtbezirke in Regensburg



Die Entstehung des mittelalterlichen Stadtbildes


Ein interessanter Aspekt ist. dass im weiteren Verlauf die "pagi regi et den" - die Bezirke der weltlichen sowie der kirchlichen Macht - mit ihren wichtigsten Gebäuden fast ohne Ausnahme auf das Innere des ehemaligen römischen Lagers beschränkt bleiben. Im Gegensatz dazu entstehen die Viertel der Kaufleute im Mittelalter außerhalb - anstelle der antiken ccmabae. Damit entwickeln sich zwei Pole der mittelalterlichen Stadt und schon früh konzentrieren sich an diesen die baulichen Aktivitäten.

Als die Baiwaii die Stadt erobern, übernehmen sie ohne Verwüstung und Zerstörung die römischen Einrichtungen. Der mittelalterliche Dom ist höchstwahrscheinlich die Fortsetzung der römischen Stadt- und Garnisonskirche, das Kloster St. Emmeram geht auf eine römische Friedhofskirche ("extra muros") zurück. Im Bereich des ehemaligen Innenkastells entsteht die herzogliche Pfalz, die sich nach und nach erweitert. Der so genannte Pfalzbereich erstreckt sich vom Nordosten von der alten Kapelle (als Pfalzkirche), dem Kornmarkt (der ehemaligen '"aula regi") und dem palatinum bis hin zur Südostecke mit dem Königshof, den Ludwig der Deutsche im 9. Jahrhundert ausbauen ließ. Im Pfalzbereich entstanden nach und nach größere Bauten: das Niedermünster (um 700. Neubau 833), der Dombezirk (romanischer Dom ab 778), der Bischofshof, die Dompfarrkirche St. Ulrich (885) sowie der Gerichtssitz (Latron) des Pfalzgrafen. Weiterhin entstanden das Obermünster (833) und das Mittelmünster (982). Ab dem 11. Jahrhundert bildet sich auch das Juden Ghetto mit Synagoge ein Zeichen für die zunehmende Handelsbedeutung. Wichtige weitere Gebäude innerhalb des Kastells waren die Höfe: Stadtvertretungen von Adligen sowie kirchlichen Einrichtungen. Die sieben auswärtigen bayerischen Bischöfe führten ab dem 10. Jahrhundert Bischhofshöfe. die sie als Absteigequartiere zu Hof- und Gerichtstagen nutzten. Klöster der Umgebung hatten Stadthäuser (9. Jh. bis 13. Jh.). Aber auch bayerische Adlige besaßen in der Stadt Höfe. Sie waren von besonders guter Gestaltung und hatten direkten Einfluss auf die Wohnhausarchitektur. Ah die Patrizier nach Vorbildern für ihre Stadtburgen suchten, fanden sie diese in den repräsentativen Höfen, deren hervorstechendes Merkmal Türme waren.

Der zweite urbanisierte Bereich entsteht ca. 690 um St. Emmeram. Diese Siedlung umfasste die Wohn- und Arbeitsräume für Kaufleute und Handwerker, aber auch Häuser für Ministerialen - eine Oberschicht unfreier Hofdiener. Die Behausungen entstehen zunächst aus Holz; nur einige wenige repräsentative Gebäude werden schon aus Stein erbaut. Ein wichtiger Schritt für die Stadt war um 920 die Errichtung der ersten Stadtmauer durch Herzog Arnulf zum Schutz vor den Ungarnstürmen. Sie umschließt die Siedlung und das ehemalige Lager. denpagus mercatum, bis ins 13. Jahrhundert hinein.

Innerhalb dieses Bereiches entstanden die ersten steinernen Wohnbauten, deren Nachfolger das Stadtbild von Regensburg bis heute bestimmen. Bauherren waren die Bürger der Stadt. In der Stadtbeschreibung des Emmeramer Mönches Otloh aus der Mitte des 11. Jahrhunderts teilt sich die Stadt bereits in drei Teile: pagits regius, die "Königsstadt", deren Schwerpunkt im unmittelbaren Pfalzbereich liegt, im Nordosten der alten Stadt, pagus clericorum, die Stadt der Geistlichen, gelegen im Westen der alten Stadt, vom Dombezirk bis zu St. Emmeram und schließlich pagus mercatorum, die "Bürgerstadt". Im 12. Jahrhundert kommt es zu einer neuen Bauwelle, die über die arnulfische Stadtmauer hinausgeht. Außerhalb der Mauern werden neue Kirchen errichtet: St. Peter (1090), St. Jakob und St. Leonhard (Mitte 12. Jh.) und am benachbarten Ufer der Donau St. Mang (1138).

Wichtig war der Bau der Donaubrücke, fast symbolisch zwischen Stadterweiterung und "alter Stadt" angesiedelt. Begonnen 1135, wurde schon nach 11 Jahren der Bau dieser gewaltigen Steinbrücke beendet. Weit und breit war sie die einzige Überquerung der Donau und Ausdruck der Bedeutung und des Reichtums der Stadt. Sie ruht auf 15 mächtigen Pfeilern und verbindet mit einer Länge von 330 Metern die künftige freie Reichsstadt Regensburg und - das künftig bayrische Stadtamhof auf der gegenüberliegenden Donauseite.

In der frühen Gotik kommt es erneut zu einer Expansion. Jeweils an der Grenze der Stadt zu den Vorstädten wurden im Westen das Dominikanerkloster, im Osten das Minoriten und das Klarissenkloster errichtet. Als einziges Kloster entstand inmitten der Bürgerstadt das Augustinerkloster. Es folgen weitere Kirchenbauten, bis schließlich der neue gotische Dom begonnen wird, der die vielen städtischen Ressourcen für längere Zeit verbraucht. Der gotische Riesenbau war per se kein Produkt der Kirche, sondern Ausdruck des Reichtums und des Bürgerstolzes von Regensburg. Demzufolge bildete auch der Wettbewerb mit anderen wichtigen Handelsstädten wie Straßburg. Ulm. Köln oder Wien den Anlaß für seine Errichtung. Weitere große Beispiele bürgerlicher Bauinitiative waren die neue Stadtmauer, welche auch die beiden Vorstädte mit einschließt, sowie das Rathaus. Schon um 1245 hat Regensburg die Reichsummittelbarkeit erhalten, und damit das Recht der Bürgermeister- und Ratswahl. Bis dahin war es ein langer Prozess. bei dem die Bürgerschaft die Rivalitäten zwischen Bischof und Herzog um die Vorherrschaft in der Stadt nutzen konnte, um sich im politischen Geschehen stärker zu etablieren. Ähnlich wie in Basel sind jedoch auch hier die Erfolge nur in kleinen Schritten zu verzeichnen, ein Freiheitsprivileg nach dem anderen wird durch Anlehnung an die Politik des Kaisers sowie durch das Selbstbewusstsein und die Finanzkraft des Bürgertums selbst errungen.
Seit der Mitte des 10. Jahrhunderts bestand schon der so genannte mercatum, der älteste nachgewiesene Marktplatz - der heutige Kohlenmarkt. Um 1330 wird zunächst das Rathaus erbaut, um 1340 auch der Rats- und Tanzsaal. Die Platzierung des Rathauses findet an symbolträchtiger Stelle statt. Dieser Schnittpunkt von alter und neuer Stadt ist gleichzeitig auch Kreuzungspunkt von vier Wachten (Bezirke). Um den Rathauskomplex entstehen im 13. Jahrhundert die meisten wichtigen Türme und Häuser des Patriziats. Durch den Fern und Großhandel waren viele Bürgergeschlechter zu großem Reichtum gelangt. Das sich hierdurch langsam ausbildende städtische Patriziat stand mit sich selbst im Wetteifer, was sich baulich in den '"Stadtburgen" zeigt. Diese bergfriedartigen Türme mit bis zu neun Geschossen ("mittelalterliche Wolkenkratzer") geben der Stadt ein eigenartiges Gepräge (jedenfalls für deutsche Verhältnisse) und scheinen auf italienische Einflüsse zurückzugehen.

Stadteinteilung in verschiedenen Wachten



Stadtteile und ihre Bedeutung für die Gesamtstadt


Ab dem Hochmittelalter wird in Regensburg die Stadt in sogenannte Wachten aufgeteilt. Die Untersuchung der einzelnen Wachten ist höchst interessant und gibt über ihre Funktion in der Gesamtstadt Auskunft. Ihre Entstehung im 13. Jahrhundert beruht auf dem Zusammenwachsen verschiedener Personenverbände. Die Einteilung in Wachten hatte zunächst den Vorteil, dass die einzelnen Grundstücke genauer identifiziert werden konnten. Wurden zuvor nur der Hausname und die Nachbarn als Hinweis angegeben, wurden nun in jeder Wacht die Häuser durchnummeriert. Außerdem waren sie Basis für Polizei- oder Militärangelegenheiten sowie für Bausachen. Dafür gab es den "Wacht-Meister", der ausgestattet mit Steinmetzen und Zimmerleuten die Bautätigkeit in seinem Gebiet überwachte. In Regensburg gab es acht Wachten, die bis heute in ihrer baulichen Ausformung erkennbar sind.

A - Westnerwacht Die Westnervorstadt wird schon im 12. Jh. erwähnt aber mit dem östlichen Gegenstück erst im 13. Jahrhundert ummauert. Sie zeigt einen "suburbanen Charakter'", der sich durch ein lockereres Stadtbild mit weiten Grünflächen präsentiert. Außerdem sind ihr zwar wenige, aber dafür wichtige Ost-West-Verbindungen und nur kleine Gassen in Nord-Süd-Richtung zueigen. Im Süden liegt an der Stadtmauer das Jakobskloster, das praktisch die gleiche Wendung durchlebt hat wie vor etlicher Zeit schon das St. Emmeram. Ursprünglich "fuon la mura" war es Keimzelle einer Besiedlung, die später zur Stadt hinzukam. Die Lage der Stadtmauer wird von zwei weiteren Klöstern bestimmt, die wie einige andere Bauwerke auch Teil der Stadtmauer wurden. Das Dominikanerkloster zum Hl. Kreuz begleitet die Stadtmauer ganze 200m lang. Geprägt war das Gebiet seit dem Mittelalter von Bräuhäusern und den dazugehörigen Stadeln.

H - Ostnerwacht Auch in der Ostnerwacht überwiegt im Mittelalter der sub-urbane Charakter. Kaum städtische Verdichtungen zeigen an, dass sich nach der Ummauerung das Bevölkerungswachstum in der Stadt verlangsamte. Lockere Bebauung und Freiflächen prägten das Gebiet. Die kirchlichen Gebäude wurden, anders als in der Westnerwacht, in die Stadtstruktur eingebettet: das an den Stadtkern angebundene Minoritenkloster sowie das Kapuzinerkloster.

Im Süden der Wacht gab es viele Gewerbehöfe. Mühlen für Färber. Stadel. Ziegel- und Kalkbrennereien, die Wachsbleiche und den Pesthof.

B - Schererwacht. Die Schererwacht in der Mitte der Arnulfischen Stadterweiterung gelegen, stellt ein fast ausschließlich bürgerlich bewohntes Viertel dar. Die Bebauungsdichte nimmt von Westen zum Osten, also zum Marktplatz hin zu. Es gibt keinen kirchlichen Bau und außer dem Zeughaus auch kein anderes öffentliches Gebäude. Es überwiegen große. Höfe umschließende Anlagen, die sich gegenüber den anschließenden Wachten abheben.

C - Wildwercherwacht. Diese Wacht wird dominiert von dem im Süden gelegenen Komplex St. Emmeram. Das damalige Kloster war der eigentliche Grund für die Ummauerung im 10. Jahrhundert. Die Nebengebäude beherbergen heute das Thurn und Taxis Schloß. Im Osten der Wacht befinden sich weitere größere Gebäudekomplexe: der Bauhof, das Dominikanerkloster und die St. Ägidien kommende. Sie wurden alle entlang der Stadtmauer errichtet.

Dieses Stadtviertel beherbergte hauptsächlich Häuser für Handwerker und Hintersassen des Klosters, die den Gebäudetyp des kleinen und mittleren Bebauung hier überwiegend kleinteilig, zum Norden hin nimmt die Grundstücksgröße jedoch wieder zu.

D - Donauwacht. Am nördlichsten Punkt der Kaufmannssiedlung liegt die Donauwacht. Hier spielte sich hauptsächlich das Marktgeschehen ab, auf einer Reihe von spezialisierten Handelsplätzen. Im Südosten hegt der Kohlenmarkt neben dem Rathausplatz, daneben gibt es den Fischmarkt, die Fleischhalle und den Weinmarkt. Wie in den anderen Wachten der Stadterweiterung nimmt auch liier die Grundstücksgröße in Richtung Markt zu. Besonders entlang der Hauptstraßen gibt es riesige Grundstücke und die repräsentativsten Häuser der Stadt. Abgesehen von den Eckbereichen fehlt jeglicher kirchlicher Besitz. Allerdings besitzt die Wacht eine Reihe wichtiger Profanbauten, allen voran das Rathaus. Es liegt an einer besonderen Gelenkstelle von der Altstadt zur Stadterweiterung (wie auch in Köln, Straßburg) und nimmt schon damit eine herausragende Stellung innerhalb der Stadt ein.

E - Wahlenwacht. Im westlichen Drittel des ehemaligen römischen Legionslager gelegen, bildete die Wahlenwacht ein typisches Kaufmannsviertel (bautypologisch: typische Giebelhäuser). Ein Großteil der Wacht um den Neupfarrplatz war bis zur Vertreibung im frühen 16. Jahrhundert das jüdische Ghetto. Im Süden liegen das Obermünster und das Mittelmünster (Jesuitengebäude). Mit den im Osten liegenden großen Bischofs- und Adelshöfen schließt das Viertel nahtlos an die Pauluserwacht an.

F - Witttwangerwacht. Im nördlichen Drittel gelegen, beherbergt die Wittenwangerwacht den mittelalterlichen Dombezirk, das Zentrum der Stadt. Der Dom selbst, ein gotisches Jahrhundertwerk. war im Mittelalter noch nicht fertiggestellt. Ihm fehlten die Turmspitzen, die sich die Stadt nicht mehr leisten konnte. Jedoch steht der Dom im Zentrum des kirchlichen Systems. Ihm angelagert sind der Bischofshof und das Niedermünster. In der Wacht befanden sich noch eine Reihe anderer Kirchen, Kapellen und stiftszugehörige Wohngebäude, doch nur wenige bürgerliche Grundstücke. Im Norden dagegen findet man kleinteilige Wohnbebauung und häufig auch bischöfliche Wohngebäude.

G - Pauluserwacht. Vornehmlich alten herzoglichen und kirchlich stiftigen Grund beherbergend, liegt die Pauluserwacht im Osten des Kastells. Dieser Bereich war schon frühzeitig für Pfalz und Kirche reserviert worden und ist direkter Nachfahre des römischen Innenkastells. Ein Saalbau der oben genannte Kornmarkt - bildete das Zentrum der herzoglichen Pfalz. Es gab eine Hülle und Fülle von Kapellen in Bischofs-, Klöster- und Stiftshöfen jedoch auch hier nur wenige bürgerliche Grundstücke.

Aufgrund der Dom- und Pfalznähe ist in der Pauluserwacht Regensburgs bedeutenste Architektur entstanden, mit den für die Bürgerhäuser teilweise vorbildhaften Höfen, wie dem Königshof im Süden.

J - Stadtamhof. Dieser der Donau gegenüberliegende Teil wurde 981 zum ersten Mal erwähnt. Die Planung zeigt, dass auch die mittelalterliche Stadt nicht aus einem freien, organischen Wachstum-
sprozess hervorging, sondern eine bewusste entwurfliche Entscheidung war.

Beide Flussufer sind durch die Donaubrücke miteinander verbunden, einem technischen Meisterwerk aus dem 12 Jh. Die Brücke folgt einer eleganten S-linie, die der Bedeutungssteigerung dient. Die frühere Auffassung, ihre Biegung resultiere aus Standverfestigungsgründen musste revidiert werden, da sich der Bogen flussabwärts krümmt. Der Bogen wird auch in Stadtamhof fortgesetzt und somit eine Verbindung geschaffen. In großen Bezugsbögen konstruiert, ist diese Eigenschaft auch in der Ostnerwacht zu finden - in den Straßen sowie der südlichen Stadtmauer.

Teil des Stadtviertel am Dom



Die Stadtgestalt: "Gute Stadt" oder "schlechte Stadt"?


Im Mittelalter muss Regensburg wegen seiner Größe und Gestalt einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ab dem 12. Jahrhundert wird der Stadt meist wegen ihrer Türme und ihres steinernen Fundamentes viel Lob und Anerkennung gezollt. In einer Schottenlegende des 13. Jahrhunderts wird Regensburg als Stadt im Überfluss an Ruhm und Reichtümern genannt. Nach dem jedoch zu Beginn des 14. Jh. der Scheitelpunkt durchschritten war und Regensburg in eine relative Bedeutungslosigkeit sank, fielen die Reisekommentare wesentlich kritischer aus. Da aufgrund der angeschlagenen Wirtschaftskraft auch die städtebauliche Entwicklung stagnierte - in den nächsten Epochen kamen kaum neue Häuser hinzu - lag Regensburg zu dieser Zeit auch stilgeschichtlich brach. In den Reisebeschreibungen findet man immer wieder Verweise auf ein als gestört empfundenes Verhältnis zwischen Gebäuden und Einwohnern ("die Stadt ist arm an Menschen"). "Regensburg ist eine finstere, melancholische, in sich selbst vertiefte Stadt" [Werkhlin, 1778]. äußert sich Wilhelm Ludwig Werkhlin im 18. Jahrhundert. Auch Eichendorff schreibt 1807: "Eine merkwürdige Stadt, die mit ihren hohen schwarzen Häusern und engen krummen Gassen wie eine einzige trotzige Ritterburg dasteht"' und mit ihren "alten Thürmen wie eine ungeheure Ruine" [Eichendorff. 1908, S. 192 ff]. Erst mit der Romantik ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ändern sich die Beschreibungen der Stadt wieder. Das Gassengewirr, die Türme. Details wie Zinnen und gotische Fenster werden als einzigartig erkannt und positiv empfunden. Das hat sich bis heute nicht geändert, und speziell nach dem Krieg, aus dem Regensburg als eine der wenigen nicht zerstörten mittelalterlichen deutschen Städte hervorging, wird dieses Stadtbild sehr idealisiert.

Die Wahlenstraße

Teil des alten Rathauses



Literaturverzeichnis


Kosch, W. (Hg.): Eichendorff, J. v.: Tagebücher, Bd. 11 der Ges. Werke, 1908, S. 192 ff.
Hottinger. M. D.: The Stories of Basel, Berne and Zürich. Nendeln-Lichtenstein 1970, S. 80-98
Humpert, K.. Schenk, M.: Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung, Stuttgart 2001
Stadtrat Regensburg (Hg.): Deutschlands Städtebau: Regensburg, Berlin-Halensee 1924
Strobel, R: Das Bürgerhaus in Regensburg (Mittelalter). Band XXIII. Tübingen 1976
Weber; A. R: Basels Stadtbild, Wandlungen im Laufe der Jahre. Basel 1957
Werkhlin, W. L.: Anseimus Rabiosus Reise durch Mitteldeutschland, 1778
www.eye.ch swissgen. "Schweizer Familienforschung aus dem Internet"'
www.hls.ch, "Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)", Bern


Autor: Dipl.-Ing. Ulrike Sturm M.A.
Quelle:
Ausschnitt aus der Arbeit: Gute Stadt - Schlechte Stadt.